Was bedeutet "wild"?

Unter  Wildpflanzensamen verstehen wir in der freien Landschaft gesammeltes oder daraus im Nachbau gewonnenes Saatgut, das nicht züchterisch behandelt wurde. Es besitzt  dadurch eine hohe genetische Vielfalt und kann sich gut an die Umweltbedingungen anpassen.

Warum Wildpflanzen?

Die ökologische und kulturelle Bedeutung von Wildpflanzen wird gesellschaftlich sehr langsam bewusst. Ihre ungeheure Vielfalt bildet einen wesentlichen Teil der Biodiversität und des ökologischen Gleichgewichts um uns herum. Andererseits wird immer mehr Fläche als Bauland, für Verkehr und Landwirtschaft intensiv genutzt: Die naturnahen Restflächen werden immer kleiner, naturräumliche Zusammenhänge werden zerstückelt. Zusätzlich bedrohen Pflanzenschutzmittel und andere Umweltgifte den Lebensraum vieler Wildpflanzen.  Immer mehr Arten, auch Insekten und andere Tiere, sind angewiesen nicht nur auf die Erhaltung, sondern auch auf  die Schaffung von Flächen mit artenreichen Wildpflanzenbeständen. So können lebendige Landschaften wieder ausreichend erweitert und vernetzt werden.

Praktische Vorteile

Im Unterschied zu Kulturpflanzen bilden Wildpflanzengesellschaften einen dauerhaften Bestand. Der Pflegeaufwand ist minimal und beschränkt sich auf höchstens zweimaliges Mähen pro Jahr. Die bunte Artenvielfalt zieht nicht nur die Blicke von Naturfreunden auf sich, mit Wildpflanzen lassen sich auch ästhetisch anspruchsvolle Gestaltungen realisieren.

Wo sind Wildpflanzen geeignet?

Aufgrund der Anpassung an verschiedenste Standortbedingungen eignen sich Wildpflanzen für alle landschaftlich oder gärtnerisch zu gestaltenden Flächen: Nicht nur in Biotopen, sondern auf den unterschiedlichen Nutzflächen der Kulturlandschaft, z.B. in der Landwirtschaft (Verbesserung von Weiden und Wiesen, Blühstreifen, bunte Brachen), als Straßenbegleitgrün, an Dämmen (auch zur Böschungsbefestigung), auf Freiflächen im bebauten Raum (urbane Freiflächen, Verkehrsinseln, Gelände von Schulen, Kindergärten, Gewerbebetrieben) in Gärten und Parks.

Keimverhalten

Die Natur hat vielen Wildpflanzen eine Keimhemmung als Schutz mitgegeben, sodass manche Samen zur Keimung bis zu drei Jahre brauchen. Da die Pflanzen mit unterschiedlichen Keimungs- und Etablierungsstrategien ausgerüstet sind, verhalten sie sich im Labortest je nach Art sehr unterschiedlich. Niedrige Keimfähigkeiten sind daher z. T. arttypisch und kein Qualitätsmangel. Bei Wildpflanzen sind die Keimfähigkeiten oft erheblich niedriger als bei Kulturformen.

Gesetzliche Rahmenbedingungen

Seit März 2010 gilt eine neue Fassung des Bundesnaturschutzgesetzes. Es regelt unter anderem, dass beim Ausbringen in die freie Landschaft vorzugsweise Saatgut aus dem selben Vorkommensgebiet verwendet werden soll. Gleichzeitig wird die Produktion von regionalem Saatgut erleichtert, so dass die Verfügbarkeit gefördert wird. Bei einigen für die naturnahe Begrünung in der freien Landschaft wesentlichen Gräsern und Leguminosen wird die Ausbringung von Wildformen durch das Saatgutverkehrsgesetz beschränkt. Die EU-Richlinie, die dies neu regeln wird, ist seit Jahren in Beratung. Beim Erstellen unserer Broschüre ist noch unklar, in welchen Mengen und unter welchen Bedingungen die Wildformen dieser Arten zukünftig gehandelt werden dürfen.

Erklärungen zu unseren Bezeichnungen “wild, Kulturform und Kulturpflanze finden Sie auch in unserem
Hinweisen zu den Einzelsaaten.

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